Die Welt ist alles, was der Fall ist. Die Masse will es so, es ist ein Kreuz.
Eckhard Henscheid
Beim Fressen beim Fernsehen fällt der
Vater dem Kartoffel aus dem Maul
Die Welt ist alles, was der Fall ist. Die Masse will es so, es ist ein Kreuz.
Eckhard Henscheid
Beim Fressen beim Fernsehen fällt der
Vater dem Kartoffel aus dem Maul
Das Verläßlichste sind Naturschönheiten. Dann Bücher; dann Braten mit Sauerkraut. Alles andre wechselt und gaukelt.
Arno Schmidt
Aus dem Leben eines Fauns
Gesellschaft
Aus einer großen Gesellschaft heraus
Ging einst ein stiller Gelehrter zu Haus.
Man fragte: »Wie seid Ihr zufrieden gewesen?«
»Wären’s Bücher«, sagt’ er, »ich würd sie nicht lesen.«
Johann Wolfgang von Goethe
Im Schweitzerland, allwo die frömmsten Leute wenn’s wohl gerät jährlich einmal, um die Osterzeit, in die Kirche kommen, schickte ein achtzigjähriger Vater seinen fünfundzwanzigjährigen Sohn das erstemal ins Tal. Und als er wieder nach Hause kam, examinierte er ihn, was Jener dort gehört und gesehen? Da erzählte denn der Sohn: es hätte ein Kerl, die lang die breit, von einem Andern daher gesagt: wie man den verraten & verkauft, gefangen & gebunden, geschleifet & geschlagen, und endlich gar gekreuziget hätte. »Ja, Vater,« sagte er: »So übel ist man mit ihm umgangen, daß er mich derb daurete.« / »Herrgott, Herrgott!« sagte darauf der Alte: »Ist denn dieser Handel immer noch nicht ausgemacht?! Es ist wohl 20 Jahr, daß ich das letztemal in der Kirchen gewesen: da hatte man diese Sache auch schon unterhanden! Es wundert mich, was nur unsere Regierung tut, daß sie es nicht einmal vollends erörtern!«
Arno Schmidt
Die Gelehrtenrepublik
Da es jedoch auf vieles Bezug nimmt, was vielleicht nicht allgemein bekannt ist, […] liegt es im Interesse des Autors, einige der dunkleren historischen Anspielungen zu erklären. Dieser Pflicht zu genügen, mahnt ihn der bittere Kelch der Erfahrung, hat sie ihm doch oft gezeigt, dass, egal wie wenig das Publikum über eine Sache weiß, ehe sie seinen Blicken dargeboten wird, kaum hat man sie dieser schrecklichen Prüfung ausgesetzt, jeder Einzelne und alle zusammen, man könnte sagen, intuitiv, mehr von ihr verstehen als derjenige, der sie ihnen doch erst gezeigt hat; und dass es im Gegensatz zu dieser unbestreitbaren Tatsache für einen Schriftsteller oder einen Planer ein sehr unsicheres Experiment ist, auf die Erfindungskraft eines anderen Menschen zu vertrauen.
James Fenimore Cooper
Der letzte Mohikaner
Ja, wir sind blind und wütig und wollen es sein. Jegliches qualitative Plus wird geleugnet, erniedrigt, mit politischem Schmutz begossen, in Kot getrampelt – weiß der Himmel, wofür! Und dieses pervertierte Bewußtsein der Minderleistung erfüllt uns auch vor der Convention. O bitte, nicht gleich gescheut und gekeilt! immer artig zugehört. Was bedeutet sie denn, die Convention? Gar nichts als den Rahmen! der für sich keinen Zweck hat, wohl aber des Gemäldes Pracht vor dem Verfließen bewahrt. Wie traurig stünde es um denjenigen, der, weil die Zeiten roh wurden, die Fähigkeit nicht mehr besitzt, hinter gekühlten Umgangs-Formen das pulsend Private warm zu spüren, sondern intolerant ein Geschöpf verwirft, nur weil es anders ist als er selber. Es gibt solche Leser, ihnen ist nicht zu helfen. Wild entschlossen den Autor wie seine Prinzessin für gestelzt, hoffärtig, herz- und gemütlos erklärend, werden sie eine Vergangenheit niemals begreifen, die sehr sparsam war mit Gefühls-Ergüssen; die es ablehnte, dauernd von Seele zu reden; die im traulichen Du keine unbedingte Erfordernis sah, dem Gesprächs-Partner weder auf die Brust rückte noch ins Maul kroch, das viele Klagen entbehrlich fand, Schmalz und Limonade nur in geringster Dosis goûtierte und Banalitäten nun einmal nicht mochte; die das Leben einem gewissen Schliff unterzog, ihm einen Halt gab, ein Règlement, ein Niveau, ja, die es erleichterte statt complicierte, eben weil klare Verbindlichkeiten über Erlaubtes und nicht Erlaubtes, über Ton und Mißton, gesellschaftlich Mögliches und Unmögliches herrschten; und die es, aus reicher Kenntnis, für schädlich hielt, das Herz auf der Zunge zu tragen – wohin es zweifellos nicht gehört.
Der Blaue Kammerherr
Angeregt durch dies kleine Rechenkunststück des Dr. Köllerer
Fun Fact: Addiert man alle Supermärkte in Wien mit den eingesetzten U-Bahn-Waggons, dann erhält man die exakte Zahl an aktiven Bettlern.
— Christian Koellerer (@Philoponus) 19. Dezember 2012
ist mir folgendes wieder in den Sinn gekommen:
»Kann man ungleichnamige Größen miteinander multiplizieren?«
»Man kann es.«
»So? Also multiplizieren Sie mir siebzehn Pfund mit drei Ellen, was kommt denn da heraus?«
»Siebzehn Pfund, multipliziert mit drei Ellen, das macht netto sechs Kilogramm, dreizehn Hektoliter, achtundzwanzig Millimeter, zweieinhalb Gallonen, sechs Yards.«
»Sie wissen gar nichts.«
»Rechnen S’ nur nach!«
Johann Nestroy
Die schlimmen Buben in der Schule
Zuletzt hat man mich gefragt, ob ich selbst alle die Bücher gelesen, die ich citirt habe. Ich antworte: nein. Wahrhaftig, ich hätte müssen einen großen Theil meines Lebens damit verbringen schlechte Bücher zu lesen.
Blaise Pascal
Gedanken über Religion
Und so einer zu mir etwa sagen wollte, dass man aus dem Lesen der Historien die beste Weisheit erlangen könnte, so will ich ihm dieses nicht ganz und gar verleugnen, wenn er mir nur auch dieses zugibet, dass man daraus auch den grössten Schaden, ja oft den Untergang selbst schöpfen kann.
Agrippa von Nettesheim
Prinz Garibald zählte. Er zählte nicht Fliegen, Fenster, Autos oder was immer; er zählte abstrakt. Er hatte sich, als er achtzehn Jahre alt war, zur Lebensaufgabe gestellt, zu zählen. Das war 1922 gewesen. Er zählte manchmal laut, manchmal zählte er nur innerlich für sich; meist zählte er ganz leise und bewegte dabei ein wenig die Lippen. Aber immer zählte er gewissenhaft. In einem kleinen Notizbuch vermerkte er, mit welcher Zahl er aufgehört hatte. Am nächsten Tag (genauer gesagt: am nächsten Werktag) fing er mit der darauffolgenden Zahl weiterzuzählen an. Er habe keine anderen Interessen und Neigungen, sagte der Prinz. Zum militärischen oder geistlichen Stand fühle er keine Berufung. Wissenschaftliche oder künstlerische Betätigung langweile ihn. Die Jagd sei ihm zu unbequem. Das Zählen fülle ihn aus.
Herbert Rosendorfer
Deutsche Suite